Forschung & Praxis
Was 2.705 Persönlichkeitsprofile über Zusammenarbeit zeigen
Eine Analyse von 2.705 Profilen: welche verständlichen Präferenzen häufig vorkommen, wo Unterschiede liegen und was Teams daraus ableiten können.
Wenn Zusammenarbeit schwierig wird, suchen wir die Ursache oft in Rollen, Absprachen oder Prozessen. Das ist sinnvoll, aber nicht die ganze Geschichte. Zwei Menschen können dieselbe Vereinbarung lesen und etwas völlig anderes benötigen. Eine Person will unterwegs improvisieren. Eine andere möchte vorher wissen, wer was bis wann liefert. Eine Person denkt laut. Eine andere braucht Ruhe, bevor eine brauchbare Antwort entsteht.
Ich wollte wissen, wie oft solche Unterschiede in unserer Praxis vorkommen. Deshalb habe ich 2.705 ausgefüllte Profile auf Personal User Guide analysiert. Sie basieren auf dem Big-Five-Fragebogen. Keine Namen, keine einzelnen Profile und keine persönlichen Geschichten, sondern nur zusammengefasste Ergebnisse. Jede veröffentlichte Gruppe enthält mindestens fünfzig Profile.
Das kurze Fazit: Den durchschnittlichen Kollegen gibt es nicht. Bei jeder Präferenz sind alle Richtungen deutlich vertreten. Ein einziger Besprechungsstil, eine einzige Planungsmethode oder eine einzige Feedbackform passt deshalb nie zu allen.
Fünf Wortreihen aus den persönlichen Bedienungsanleitungen
Die Analyse betrachtet fünf Arten von Präferenzen, die im Alltag sichtbar werden: den Umgang mit Neuerungen, Planung, Kontakt, Interessen und Anspannung. In den persönlichen Bedienungsanleitungen wird jede Präferenz mit drei verständlichen Wörtern zusammengefasst:
Diese Wörter sind keine Noten. Progressiv ist nicht besser als konventionell und fokussiert nicht besser als unorganisiert. Jede Präferenz hat eine Stärke und ein Risiko. Eine fokussierte Person kann zuverlässig planen, aber auch zu viel Kontrolle wünschen. Eine unorganisierte Person kann schnell improvisieren, aber auch Unklarheit bestehen lassen.
Selbst angelegte Demoprofile sind ausgeschlossen. Ihre Antworten stammen nicht von den beschriebenen Personen und gehören deshalb nicht in eine Untersuchung echter Nutzer.
Das Gesamtbild
Keine Wortreihe hat einen eindeutigen Standard. In jeder Reihe sind alle drei Präferenzen deutlich vertreten. Frage deshalb besser, was jemand benötigt, statt die eigene Arbeitsweise für normal zu halten.
Vor allem die Präferenzen rund um Planung und Kontakt zeigen große Unterschiede. Wollt ihr Ideen gemeinsam in einem Raum entwickeln oder zuerst allein nachdenken? Planst du früh oder findest du während der Arbeit heraus, was nötig ist? Steuerst du zwischendurch nach oder lieferst du lieber etwas Abgeschlossenes?
Progressiv und fokussiert kommen oft vor, aber nie allein
Fast die Hälfte der Profile ist progressiv. Eine ebenso große Gruppe ist fokussiert. Das bedeutet nicht, dass fast die Hälfte gut im Erneuern oder Planen ist. Es bedeutet, dass Teams häufig Menschen enthalten, die Möglichkeiten erkunden, und Menschen, die Kontrolle über die Umsetzung wünschen.
Hier entsteht ein typisches Missverständnis. Die progressive Person erlebt zusätzliche Fragen als Bremse. Die fokussierte Person erlebt eine Idee ohne Rahmen als unnötiges Risiko. Keine von beiden muss schwierig sein. Sie schützen unterschiedliche Dinge.
Gib mir zuerst Raum, drei Möglichkeiten zu erkunden. Danach legen wir gemeinsam Kriterien, Verantwortung und Termin fest.
So bleiben Kreativität und Struktur erhalten.
Ruhig, fröhlich und dominant brauchen verschiedene Besprechungsformen
Ein Viertel der Profile ist ruhig, 40% sind fröhlich und 36% dominant. Eine Besprechung, die nur aus lautem Brainstorming besteht, passt deshalb nicht zu allen. Nur schriftlich zu arbeiten, lässt wiederum anderen zu wenig Austausch.
Sichtbarkeit wird oft mit Engagement verwechselt. Wer schnell reagiert und viel spricht, wirkt aktiv. Wer erst nachdenkt und später antwortet, kann fälschlich distanziert erscheinen. Die Verteilung zeigt, wie riskant diese Annahme ist: Alle drei Präferenzen sind deutlich vertreten.
- Schicke die Kernfrage vorher.
- Beginne mit zwei Minuten stillen Notizen.
- Besprecht die Ideen anschließend laut.
- Ermögliche danach schriftliche Ergänzungen.
Diese kleine Prozessentscheidung nimmt ruhige, fröhliche und dominante Kollegen ernst.
Unerschütterlich bedeutet nicht gleichgültig
Von den 2.705 Profilen sind 47% unerschütterlich, 37% entspannt und 16% emotional. Keine Präferenz ist besser als eine andere.
Eine unerschütterliche Person kann unter Druck ruhig bleiben. Eine emotionale Person bemerkt Risiken, Spannungen oder soziale Signale vielleicht früher. Beide Beiträge sind nützlich. Probleme entstehen, wenn Ruhe als Gleichgültigkeit oder Wachsamkeit als Überreaktion gelesen wird.
Für Feedback ist dieser Unterschied wichtig. Derselbe beiläufige Satz, „Das ist noch nicht gut“, kann für eine Person eine praktische Zwischenmeldung sein und eine andere den ganzen Abend beschäftigen. Feedback muss nicht vage werden. Es hilft aber, Absicht, Bedeutung und nächsten Schritt ausdrücklich zu nennen:
Die Analyse stimmt, aber die Schlussfolgerung ist noch zu breit. Kannst du sie morgen mit diesen beiden Beispielen schärfen?
Durchschnittswerte erzählen nur einen Teil
Die Durchschnittswerte liegen recht nah beieinander, verbergen aber, wie viele Menschen an verschiedenen Stellen einer Wortreihe stehen. Für die Zusammenarbeit ist die Verteilung deshalb oft hilfreicher als eine einzige Durchschnittszahl.
Niederländische und englische Profile unterscheiden sich etwas
Zwei Sprachgruppen liegen über der Datenschutzgrenze: 2.090 englische und 607 niederländische Profile. Erfasst wird eine Sprachpräferenz, kein Land und keine Nationalität. Ich kann deshalb nicht behaupten, Niederländer unterschieden sich von Engländern.
Die niederländische Gruppe liegt etwas weiter in Richtung dominant und unerschütterlich als die englische. In den drei anderen Wortreihen sind die Unterschiede kleiner.
Das ist ein Anlass für weitere Forschung, kein Beweis für einen kulturellen Effekt. Wir wissen zum Beispiel nicht, wie Branche, Alter, Zugangskanal oder Nutzungssituation über beide Gruppen verteilt sind.
Was die Analyse nicht aussagt
Das Datenmodell erfasst nicht zuverlässig, ob jemand eine persönliche Bedienungsanleitung für die Arbeit, Sport, Familie, Dating und Beziehungen oder persönliche Entwicklung erstellt hat. Auch das Land fehlt. Deshalb habe ich diese Kontexte nicht verglichen und keine Länderrangliste erstellt. Das wäre eine schönere Geschichte, aber keine ehrlichere.
Die Profile sind außerdem keine repräsentative Stichprobe der Gesamtbevölkerung. Es sind Menschen, die auf Personal User Guide ein Profil ausgefüllt haben. Die Analyse beschreibt diese Gruppe, nicht alle Arbeitnehmer oder alle Einwohner eines Landes.
Präferenzen in konkrete Absprachen übersetzen
Ein Wort wie ruhig hilft erst, wenn daraus sichtbares Verhalten wird. Schreibe nicht nur: „Ich bin ruhig.“ Schreibe:
Schicke mir eine komplexe Frage möglichst vorher. In einer Besprechung höre ich oft zuerst zu. Das bedeutet nicht, dass ich keine Meinung habe. Gib mir danach Raum für eine Ergänzung.
Schreibe nicht nur: „Ich bin fokussiert.“ Mache es praktisch:
Ich arbeite am besten, wenn Verantwortung, Ziel und Termin klar sind. Wenn sie noch offen sind, sag mir, dass wir bewusst erkunden.
Unter So funktioniert Personal User Guide siehst du, wie aus Präferenzen konkrete Absprachen werden. Du kannst auch direkt eine persönliche Bedienungsanleitung für die Arbeit erstellen. Der Nutzen liegt nicht im Wort selbst, sondern in dem Gespräch, das dadurch früher und genauer möglich wird.
Weiterlesen
Lies, welche Präferenzkombinationen am häufigsten und seltensten sind, und erstelle danach deine eigene persönliche Bedienungsanleitung.
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