Scientific American über Bildtests: Was verrät ein Klick über die Persönlichkeit?
Ein Persönlichkeitstest mit Bildern kann angenehm sein. Doch was misst ein Klick? Über Messqualität, Interpretation und den Weg zur konkreten Arbeitsvereinbarung.
Du siehst ein Foto einer lebhaften Teambesprechung. Passt das zu dir? Du klickst ohne langes Nachdenken. Dein Kollege wählt genau dieselbe Antwort. Du meinst damit aber, dass du Ideen gern laut entwickelst. Dein Kollege sieht vor allem eine vertraute Gruppe, in der alle gehört werden. Derselbe Klick kann unterschiedliche Gründe haben.
In Scientific American vom 24. Januar 2018 befürwortet Heather Myers bildgestützte Persönlichkeitstests. Sie war damals Chief Psychology Officer beim Testanbieter Traitify; es handelt sich um einen Autorenbeitrag.
Das ist ein interessanter Ausgangspunkt, um drei Fragen zu trennen: Wie angenehm lässt sich ein Test ausfüllen, wie gut misst er Persönlichkeit und was kannst du anschließend mit dem Ergebnis anfangen? Eine überzeugende Antwort auf die erste Frage beantwortet die anderen beiden noch nicht.
Ein vertrautes Bild hat mehr als eine Bedeutung
Stell dir einen Test mit dem Foto eines aufgeräumten Schreibtischs vor. Das Bild könnte Planung und Struktur darstellen sollen. Jemand könnte es aber auch wegen des Tageslichts, der Abwesenheit von Kollegen oder des Gefühls wählen, dass der Arbeitstag vorbei ist. Eine Bildunterschrift kann die Absicht verdeutlichen. Trotzdem muss untersucht werden, wie Bild und Text gemeinsam verstanden werden.
Das macht Bilder nicht ungeeignet. Es macht den Zusammenhang zwischen Antwort und Eigenschaft zu etwas, das belegt werden muss. Auch eine schriftliche Aussage lässt sich unterschiedlich lesen. Entscheidend ist, welche Interpretationen ein bestimmter Test hervorruft und ob der resultierende Wert das beabsichtigte Merkmal ausreichend widerspiegelt.
Bitte bei einer Vorführung deshalb um mehr als die Gelegenheit, selbst durch den Test zu klicken. Frage, welches Antwortmuster zu welcher Schlussfolgerung führt, wie diese untersucht wurde und welche Unsicherheit dazugehört. Ein reibungsloser Ablauf zeigt das nicht von allein.
Schnell erkennen und sich selbst einschätzen sind verschiedene Aufgaben
Potter und Kollegen fanden, dass Teilnehmende benannte Szenen bei nur 13 Millisekunden Präsentationszeit überzufällig erkannten. Die Studie untersuchte visuelles Erkennen, keine Persönlichkeitsmessung.
Ein Foto zu erkennen und zu entscheiden, ob es zum eigenen üblichen Verhalten passt, sind verschiedene Aufgaben. Für die zweite musst du beispielsweise überlegen, ob du aus Sicht deiner jetzigen Arbeit, deiner Freizeit oder deines Wunschbilds antwortest. Dieser Schritt entfällt nicht, wenn die Antwort schnell kommt.
Die praktische Schlussfolgerung: Betrachte die Bearbeitungszeit als Merkmal der Nutzungserfahrung. Aussagen über die Messqualität brauchen Forschung zu den Werten selbst. Ein schneller Klick kann wohlüberlegt sein; ein langsamer kann Unsicherheit ausdrücken. Eine Stoppuhr verrät nicht, was gerade passiert.
Prüfe das Instrument ebenso wie sein Modell
Die Big Five beschreiben fünf kontinuierliche Persönlichkeitsdimensionen. Ein Test, der dieses Modell verwendet, muss trotzdem zeigen, wie seine eigenen Fragen, Bilder und Berechnungen zu brauchbaren Werten führen.
Eine Validierungsstudie von Hilliard und Kollegen aus dem Jahr 2022 fand Zusammenhänge zwischen Bildentscheidungen und Big-Five-Fragebogenwerten. Die Autoren forderten weitere Validierung. Das unterstützt die Erforschung von Bildtests, kein pauschales Gütesiegel.
Halte bei der Beurteilung eines Instruments drei Arten von Belegen auseinander:
| Frage | Was du beurteilen können solltest |
|---|---|
| Können Menschen den Test gut nutzen? | Verstehen Teilnehmende die Aufgabe und können sie diese unter den vorgesehenen Bedingungen abschließen? |
| Sind die Werte ausreichend belegt? | Was ist über Konsistenz, wiederholte Durchführung, Unsicherheit und das gemessene Merkmal bekannt? |
| Passt die Anwendung zur Evidenz? | Stützt die Forschung genau die Schlussfolgerung, die du in dieser Situation ziehen möchtest? |
Ein angenehmes Hilfsmittel für ein Coachinggespräch hat damit nicht automatisch einen belegten Nutzen für die Personalauswahl. Die Übereinstimmung mit einem anderen Persönlichkeitsfragebogen zeigt für sich genommen noch nicht, wer eine bestimmte Aufgabe gut erfüllen wird.
Lass die teilnehmende Person die Bedeutung ergänzen
Zurück zum Foto der Teambesprechung. Angenommen, das Ergebnis gibt Anlass, über Kontakt und Besprechungen zu sprechen. Beginne mit einer konkreten Frage: „Wann hilft dir ein Gespräch, eine gute Idee zu entwickeln?“
Der erste Kollege antwortet: „Oft weiß ich erst, was ich denke, wenn jemand auf meinen Vorschlag reagiert.“ Der zweite sagt: „Ich beteilige mich gern, wenn ich das Thema vorher lesen konnte.“ Ihre gemeinsame Bildwahl muss diese praktischen Unterschiede nicht enthalten.
Bitte anschließend um ein aktuelles Beispiel und eine Ausnahme. Bei welcher Besprechung half diese Vorliebe? Wann funktionierte eine andere Herangehensweise besser? So erhält das Ergebnis Kontext, und die Person kann eine Interpretation korrigieren. Das Profil liefert Sprache; die Person liefert Informationen über ihre eigene Arbeit.
Auch bei Personal User Guide ist dieser nächste Schritt nötig. Eine Beschreibung, die vertraut klingt, sagt einem Kollegen noch nicht, wann er anrufen, etwas vorab schicken oder Raum lassen sollte.
Mach den nächsten Schritt konkreter als den Test
Übersetze das Gespräch in eine Vereinbarung, die beide Kollegen umsetzen können. Zum Beispiel:
Wir teilen die Entscheidungsfrage am Nachmittag vor der Besprechung. Alle notieren zunächst einen eigenen Vorschlag. Danach diskutieren wir die Ideen gemeinsam und halten die Entscheidung fest.
Diese Vereinbarung schafft Raum für Vorbereitung und gemeinsames Denken. Du musst nicht beweisen, dass ein Arbeitsstil besser ist. Nach zwei Besprechungen kannst du aber prüfen, ob mehr Ideen gehört wurden und ob die Entscheidung klarer geworden ist.
Wer eine persönliche Gebrauchsanweisung erstellt, kann genauso vorgehen: eine Situation beschreiben, ein Beispiel ergänzen, gegenseitiges Verhalten vereinbaren und einen Termin festlegen, um den Nutzen zu prüfen.
Für mich liegt die interessante Weiterentwicklung von Persönlichkeitstests letztlich in diesem gesamten Ablauf. Ein zugänglicher Test öffnet die Tür. Gute Forschung bestimmt, welche Aussagen gerechtfertigt sind. Eine brauchbare Gebrauchsanweisung macht klar, was ihr morgen miteinander vereinbaren könnt.
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